Home

Blöd Verteilung

Geschrieben in Home von Olaf Schilgen am 22 Juni 2012

Ich habe mich austragen lassen, um Deutschlands blödeste Zeitung nicht im Kasten zu haben, wenn es morgen laut Ansage von Blödzeitung eigentlich für alle Blöd werden soll.

Mal sehen, ob die Logistik das hinbekommt, mich nicht zu beliefern …

Blöd wäre, wenn ich das Blödblatt doch kriege.

Spiegel-Verriss

Geschrieben in Peak Oil von Olaf Schilgen am 2 Juni 2012

Bislang hatte ich ja gedacht, dass Spiegel Online sich qualitativ nicht ganz unten im Journalismus ansiedelt.
Bis heute, bis ich den absurd schlechten Artikel von A. Jung gelesen habe über die „Peakniks“ der Aspo …

Ich war Teilnehmer der ASPO Conference 2012 – 30. Mai bis 1. Juni in Wien. Zu finden sind die Beiträge und das Programm zum selbst nachlesen und hören unter www.aspo2012.at.
Daneben bearbeite ich die Thematik auch beruflich und privat.

Hier meine Kommentierung zu dem seltsamen Artikel (Link): Der Artikel ist absurd schlecht, nicht sichtbar recherchiert und vor allem eins: polemisch … das als Fazit vorab.

Zitat des Titels:

Endliche Ölreserven – Apokalypse irgendwann

(Spiegel Online, 01. Juni 2012, 20:15 Uhr)

Gute Journalisten machen gute Titel – was jedoch im Umkehrschluß nicht zuteffen muss. Hier beweist Herr Jung, dass ein Titel „gut“ sein kann im Sinne der Chefredaktion – um Leser zu gewinnen, und Interesse zu wecken. Das hat dieser Titel geschafft, man kann ihn damit als „gut“ bewerten. Ob der Journalist dahinter jedoch auch eine gute Arbeit macht, muss vor allem der dazugehörige Artikel zeigen. Dazu weiter im Text:

Zitat:“Wie lange reicht das Öl? In Wien trafen sich Weltuntergangspropheten, um über das nahende Ende der Vorräte zu spekulieren. Doch die Wirklichkeit ist deutlich komplizierter als die Theorien der „Peakniks“.
Eine kurze Basisrecherche hätte Herrn Jung schnell gezeigt, dass es ASPO nicht darum geht, das „Ende“ vom Öl vorherzusagen. Es geht um die Abnahme der Flow-rate nach dem Peak. Dass das existiert liegt auf der Hand – bei einer endlichen Ressource kann es nicht anders sein.
Das steht bereits im Bericht des Department of Energy an den Präsidenten der USA in 2005 unter der Federführung von Robert Hirsch. Der übrigens die vollen drei Tage anwesend war, und auch ansprechbar in jeder Pause.

Zitat:“Auf dem Programm steht der Weltuntergang, doch Dennis Meadows langweilt das Thema. Der amerikanische Wissenschaftler ist gewissermaßen Fachmann in Fragen der Apokalypse, seit er vor 40 Jahren im legendären Bericht an den Club of Rome vor den Grenzen des Wachstums warnte und die Erschöpfung der Rohstoffe prophezeite. Nun sitzt der 69-Jährige im Wiener Palais Niederösterreich und blättert in der Tagungsbroschüre herum. Es kommt ihm alles so bekannt vor.
Billiger geht es wohl nicht, oder? Verstehe ich Herrn Jung richtig, und ein Thema ist erst dann interessant für eine ordentliche Berichterstattung im Spiegel, wenn ein bald 70-Jähriger das Programm der Veranstaltung so vollständig im Kopf hat, dass er, während ihm der Spiegel-Reporter beim „Programm-Auswendigwissen“ zuschaut, nicht mehr im Programm blättern darf?

Zitat:“Versammelt hat sich die Association for the Study of Peak Oil & Gas (Aspo), eine internationale Vereinigung von Wissenschaftlern, die beseelt sind von dem Gedanken, die weltweite Ölförderung werde schon bald einen Scheitelpunkt („Peak“) erreichen – mit katastrophalen Folgen für die Menschheit. Verbraucht sie mehr Öl, als sie fördert, seien brutale Verteilungskämpfe unvermeidlich: Börsencrashs, Depression, Chaos.
„Beseelt“ klingt etwas seltsam, wenn man selbst einmal mit diesen Wissenschaftlern redet. „Besorgt“ würde es eher treffen. Dazu sind die genannten Folgerungen nicht von den Wissenschaftlern getroffen worden, sondern von durchaus ernst zu nehmenden Analysten des US Department of Energy, der Bundeswehr, des Joint Forces Command und vielen anderen. Übrigens, Herr Jung: Wenn sie einen Satz mit „brutale Verteilungskämpfe seien unvermeidlich“ beginnen, und dann eine Auflistung anführen, dann sollte das eine Liste dieser angeführten Verteilungskämpfe sein. Ob man Börsenchrashs und eine Depression bereits dazu zählt, ist mir nicht bekannt. Man könnte darüber diskutieren – aber so wirkt es auch mich ein wenig schräg, rein sprachlogisch.

Zitat:“„Peak Oil ist nahe“, lautete also die Schreckensvision beim Jahrestreffen in dieser Woche, die Aspo-Präsidenten Kjell Aleklett wie ein Zeuge Jehovas verbreitete. Wieder einmal. Dieselbe Botschaft habe er schon auf der Aspo-Konferenz vor sechs Jahren gehört, sagt Meadows genervt. In der Tat haben die „Peakniks“, wie die Skeptiker genannt werden, schon etliche Male den Förderhöhepunkt vorausgeahnt. In früheren Szenarien datierten sie ihn auf das Jahr 1998. Später hieß es, 2005 sei es so weit. Einer legte den Peak sogar auf den Tag genau fest, auf den 24. November 2005. Dann wieder wurde 2010 ins Auge gefasst, spätestens.
Yep. Die erste Abschätzung dazu kam von Herr Hubbert, so um 1960 herum. Da hatte er allerdings noch eine Nachfragesteigerung von 5% pro Jahr angenommen … womit der Verbrauch und damit der Scheitelpunkt in der Abschätzung logischerweise früher liegen musste. Die alte Formel mit der tatsächlichen Verbrauchsteigerung von 1956 bis 2000 führt zu einer neuen Zahl – und zwar um das Jahr 2005. Wohlgemerkt eine Abschätzung über einen Zeitraum von über 30 Jahren – ein wenig Unsicherheit ist dabei nicht abwegig.
Die Taggenaue Festlegung ist übrigens eine Rückwärtsbetrachtung – da war einfach die bisherige Crude oil Tagesproduktion auf dem Höhepunkt. Berechnet und als Prognose vorab veröffentlicht hat das niemand.

Zitat:“Mit scheinbar wissenschaftlicher Präzision bestimmen die Peak-Oil-Theoretiker einen Zeitpunkt, von dem an es bergab gehen soll – und werden stets von der Realität widerlegt. In der Praxis nämlich ist das weltweite Ölangebot seither noch praktisch jedes Jahr gewachsen, bislang ist zur Überraschung vieler nie ein echter Engpass aufgetreten.
Nicht mit scheinbarer wissenschaftlicher Präzision, sondern mit wissenschaftlicher Methode. Das ist ein Unterschied, den man vermutlich erst dann begreift, wenn man die Materie selbst beherrscht. Präzision ist nicht absolut herstellbar – weil es bei der Thematik keine absolute Präzision geben kann – und auch gar nicht verlangt und behauptet wird. Wissenschaftlich aber bleibt es: Die Unsicherheiten werden benannt – und die Bandbreite der Unsicherheiten dazu.
Dazu bleibt die Tatsache bestehen, dass die Förderung aus konventionellen Ölfeldern in 2006 ihren Höhepunkt hatte. Das easy oil ist damit auf klar absteigendem Pfad – und allein das ist nicht mehr mit „scheinbarer Präzision“ vorauszusagen, sondern ganz trivial im Bericht der IEA von 2010 (International Energy Agency, World Energy Outlook 2010) nachzulesen.
Der vermeindlich nicht aufgetretene Engpass bestand bereits: In 2008, als der Ölpreis durch die Decke ging, die wenige Jahre zuvor niemand jemals in dieser Höhe vermutete.
Zitat aus den Ölpreisprogrnosen für das Jahr 2030 vom Jahr 2005: 33 Dollar pro Barrel. Ich frage mich, ob Jerr Jung schon mal darüber nachgedacht hat, was ein solcher Mehrpreis von 147 Dollar da an Nachfrage bei den ärmeren Ländern weltweit abschneidet? Die Nachfrage nach Öl war schlicht nicht bedienbar – und der Preis stieg solange, bis die so abgeschnittene Nachfrage dann wieder befriedigt werden konnte.

Zitat:“Gegenwärtig pumpt Saudi-Arabien so viel Öl aus dem Wüstensand wie noch nie. In den USA quellen die Lager über. Derzeit werde eher zu viel als zu wenig gefördert, konstatieren die Rohstoffexperten der Commerzbank. Ihre Kollegen von der Citigroup gehen noch weiter: Sie verkünden schon den „Tod der Peak-Oil-Hypothese“.
Schon mal was von Preiselastizität gehört? Schon mal darüber nachgedacht, dass ein Preis von über 100 Dollar bereits heute einen erheblichen Nachfragesenkenden Effekt hat?
Es gibt Länder auf dieser Welt, die für Öl weit über 20% des GPD (BSP) pro Kopf ausgeben (müssen). Wenn sie das aber nicht können, kaufen sie kein Öl mehr. Daher ist die Preiskurve heute der Nachfragereduktions-Stellhebel.
Der Experte von der Commerzbank, der die „Peak-Oil-Hypothese“ als tot erklärt, hat vermutlich sein Geld mit der Vorhersage der Finanzmarktentwicklung zwischen 2000 und 2012 verdient. Vermutlich hat er sein Fachwissen dazu nun auf diese These angewandt. Herzlichen Glückwunsch, Herr Jung. Mein Kommentar dazu: „Herr, lass Hirn vom Himmel regnen, auf dass es die richtigen trifft!“

Zitat:“Eine These aus den Fünfzigern
Und? Glauben sie damit Meinen zu wollen, dass eine alte These doof ist? Oder weniger wert? Albert Einstein hat seine Relativitätstheorie 1916 niedergeschrieben. Die staubt also bereits … wo ist ihr Verriss dazu?

Zitat:“Das Konzept stammt aus den fünfziger Jahren, ein US-Geologe namens Marion King Hubbert hat es formuliert. Demnach entspricht der Verlauf der Ölförderung stets einer Glockenkurve: Erst steige sie an bis auf ein Plateau, dann fällt sie wieder ab, so unerbittlich wie vorhersehbar. Das Problem: Die Wirklichkeit ist komplizierter.
Ach was. Eine Theorie ist immer eine Abstraktion und eine Modellbildung. Dummerweise zeigen alle Ölfelder weltweit prinzipiell diese Förderkurve. Übrigens auch noch falsch abgeschrieben. Eine Glockenkurve zeigt kein Plateau – sie ist stets eine Kurve, ein Plateau ist aber genau das nicht.

Zitat:“Zum Beispiel nimmt der Preis, der für das Fass Öl zu erzielen ist, einen entscheidenden Einfluss auf die Fördermenge. Je höher die Notierung, desto eher lohnt sich der Aufwand, auch in entlegenen Regionen nach dem Rohstoff zu suchen, in der Tiefsee zum Beispiel oder in der Arktis. Und schon wächst das Ölangebot.
Hallo McFly, jemand zu Hause? Suchen sie mal nach den tausend goldenen Füllern in ihrer Schreibwerkstatt. Es besteht ein Unterschied zwischen Suchen und Finden. Und nicht dass sie vorschnell frohlocken: Bei Ölfeldern ist es nicht wie bei goldenen Füllern. Die muss man erst einmal anbohren und fördern – einen Füller hebt man einfach auf.

Zitat:“Neue Technologien kommen zum Einsatz, die die Fördermenge auf ein Niveau hieven, das bis dahin unvorstellbar war. Ingenieure setzen das sogenannte Fracking, das bislang nur für die Gasproduktion genutzt wurde, nun auch zur besseren Ausbeutung von Ölquellen ein: Unter Hochdruck wird eine Flüssigkeit eingepresst, sie erzeugt Risse tief im Gestein, dadurch wird zusätzliches Öl freigesetzt.
Unvorstellbar ist immer ein schönes Wort. Trifft aber fast nie den Kern. Ich kann mir beispielsweise auch ein Raumschiff Enterprise vorstellen, oder eine Unterhaltung mit einem intelligenten Redakteur.
Die sogenannte EOR, enhanced oil recovery, kann durchaus die Ausbeute aus einem Ölfeld vergrößern – als absolute Menge. Aber die flow-rate, das was pro Tag rauskommt, bei Weitem nicht. Viele Ölfelder liefern nur noch ein ziemlich dünnes Wasser-Öl-Gemisch. Da pumpt man und pumt … und 90% von dem, was man da pumpt, ist Wasser, das man schnellstens wieder wegpumpen muss, weil es hochgradig verseucht ist. Teilweise ist nur noch 10% Öl enthalten … und auch der Anteil sinkt bei alten Feldern immer weiter ab. Fracking in Ölfeldern erhöht vielleicht den Anteil wieder etwas – aber die alten Förderraten kommen damit nicht zurück. Denn das Ölfeld wird ganz sicher eines: immer leerer.

Zitat:“Dank dieses Verfahrens sind die USA zur weltweit schnellstwachsenden Ölförderregion avanciert. Im Bundesstaat North Dakota hat sich die Produktion innerhalb von nur zwei Jahren verdoppelt.
Wow. Tolles Argument. Fragt sich nur von welcher Menge hat sich da was verdoppelt. Die hatten bislang ein altes Ölfeld, und nun zwei? Oder was? Verdoppeln klingt ja immer gut – aber wenn so ohne weitere Daten einfach von „Verdoppelung“ geschrieben wird, sieht das in etwa so schlau aus, wie ich es in der b**dzeitung erwarten würde.

Zitat:“Solche Entwicklungen beeindrucken Aspo-Präsident Aleklett freilich wenig. Er hält Fracking für überschätzt, für einen Hype, der sich bald wieder legen werde. Überhaupt sei doch die Vorhersage eingetreten und Peak Oil im Jahr 2006 erreicht worden, zumindest was das Volumen aus herkömmlichen Fördermethoden angehe, das heißt: ohne das Öl aus kanadischen Teersanden zum Beispiel oder eben das Fracking-Öl aus North Dakota.
Ich hab mir den Vortrag auch reingezogen – und fand die Aussagen zumindest plausibel genug, um eine andere Message daraus abzuleiten.

Zitat:“Diese Erklärung mutet seltsam an, da in der Geschichte der Ölförderung Verfahren, die zunächst als unkonventionell galten, in der Regel sehr schnell gebräuchlich wurden. So war in den siebziger Jahren eine Förderung in mehr als 300 Metern Meerestiefe kaum vorstellbar, heute ist sie Routine.
Ja, klar. Das lohnt sich auch so gigantisch.
Die Deep Water Horizon, also das Dingens, was bei voller Anwendung der Öl-Bohr-Routinen im Golf von Mexiko abgesoffen ist, bohrte beispielsweise das Macondo-Feld an. Dieses Feld sollte insgesamt 50 bis 100 Millionen Barrel Öl enthalten.
Klingt vielleicht viel – reicht aber gerade einmal aus, um den Weltverbrauch von Öl für etwa 16 bis 32 h aufrecht zu erhalten.
Mal als Vergleich: Das Ghawar-Feld in Saudi Arabien liefert seit 1950 allein täglich und durchgehend 5% des Weltölbedarfs.

Zitat:“Der Veteran Meadows jedenfalls hat genug von der Debatte, wann denn nun genau der Höhepunkt erreicht werde. Entscheidend und unstrittig sei doch, dass die Ölvorräte endlich sind und abnehmen. Deshalb hält er es für wichtiger, Strategien zu entwickeln, wie eine Welt mit immer weniger fossilem Brennstoff aussehen kann.
Ein weiser alter Mann hat eine gute Sichtweise. Immerhin hat er, anders als Herr Jung, die Thesen und angeblichen Hypothesen der Peakniks nicht nur akzeptiert, sondern selbst auch damals im Bericht des Club of Rome, der übrigens von der Volkswagen Stiftung in Hannover zu wesentlichen Teilen finanziert wurde, so prognostiziert.

Zitat: „Meadows spricht aus leidvoller Erfahrung. Vor 40 Jahren habe sich der Club of Rome auch bloß darauf beschränkt zu rufen: „Das Unheil ist nahe“, erinnert sich der Wissenschaftler. Ergebnis: „Heute ist der Club of Rome irrelevant.“
Lieber Herr Jung, möchte man sagen, Klasse Schlusswort – nur was wollen sie damit ausdrücken?
Die Diskussionen zu den Prognosen des Club of Rome haben doch wohl sehr entscheidend zur Umweltbewegung, zur Gründung neuer politischer Parteien und allgemein zur Diskussion überhaupt beigetragen. Was bitte erwarten sie vom Club of Rome heute? Noch eine grüne Partei? Noch mehr Umweltbewegung? Etwa Änderungen in den Wirkmechanismen des Kapitalismus?
Eines dürfte klar sein: Die Botschaft von damals ist angekommen – und vermutlich ist deshalb vieles anders gekommen. Wobei noch immer kein Link zu Peak Oil besteht – denn dem kann man nicht durch Politikänderungen ausweichen.
Nur durch Ignorieren: Durch Augen, Ohren und Mund verschließen. Wie die Affen.
Der vierte Affe mit dem leergeschriebenen Stift fehlt noch … Herr Jung, übernehmen sie!