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Weizenbauer

Geschrieben in Wirtschaftstheorie von Olaf Schilgen am 4 Februar 2012

Ich habe eine eigene Vorstellung davon, was Wirtschaft ist.
Jedoch habe ich nicht nur kleine Probleme, diese Vorstellung offen zu diskutieren. Die Fragestellungen, die ich aufwerfe und anspreche, werden akzeptiert. Zumindest unter Vorbehalt der Namensnennung.
Doch der Ansatz, den ich als nicht nur halbwegs zielführend, sondern als einzig korrekt ansehe, wird stets angesehen, als ob er vom Mars kommt, oder besser von Gliese 085, einen der noch nicht entdeckten Planeten dieses Universums.

Heute jedoch habe ich Mut geschopft. Als ich diese kurzen Zitatschnipsel bei Golem.de fand:

Zitat:
„Manche Wissenschaften hätten immense Fortschritte gemacht – Wirtschaftswissenschaften und Meteorologie etwa hätten elegante mathematische Modelle entwickelt. So könnten die Ökonomen beispielsweise mit einem wunderschönen und verständlichen Modell die Wirtschaft eines Landes erklären. Nur leider, sagte Weizenbaum, hätte dieses wenig mit der Realität zu tun.“

Quelle: http://www.golem.de/news/joseph-weizenbaum-welche-rolle-spielt-wissenschaft-1202-89557.html

Wie sehr sich die Wissenschaft seiner Meinung nach vom Rest der Welt entfernt hat, verdeutlicht Weizenbaum mit einer weiteren Metapher: Er beschreibt das von Hollywood-Western gezeichnete Klischee eines Saloons – mit den üblichen Figuren: Cowboys mit Revolvern und leichten Mädchen, ein versoffener Arzt, der mit dem Großgrundbesitzer und dem Sheriff im Hinterzimmer Poker spielt.

Dieses Szenario soll die Naturwissenschaften darstellen. Da betritt ein Außenseiter, gekleidet wie ein Gentleman in St. Louis, die Szene. Er hat ein Spielbrett dabei und will der Pokerrunde das Dame-Spielen beibringen. Die Runde hört zu, während der die Regeln erklärt – und fragt schließlich: Wo sind die Karten?

Für diese Runde müsse ein Spiel Karten haben, und ohne Karten sei Dame eben kein Spiel. Anders ausgedrückt: Die Naturwissenschaften erkennen nur ihre eigenen Wahrheiten an. Andere Argumente werden abgetan als unwissenschaftlich, und Unwissenschaftliches zähle nicht. „In diesem Sinne verteidigt sich die Naturwissenschaft gegen fremde Wahrheiten, wie beispielsweise Religion“, resümierte Weizenbaum.

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