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Peak Oil – einfach erklärt

Geschrieben in Peak Oil von Olaf Schilgen am 21 Dezember 2010

Peak Oil als Begriff ist überraschend unbekannt.

Dabei ist das nicht sehr schwer zu erklären, was ich hiermit versuche.

Peak Oil als Begriff bezeichnet einen Punkt auf einer Kurve.
Er bezeichnet den höchsten Punkt (Peak) auf einer besonderen Kurve, auf der Kurve der Weltölförderung (Oil).
In der deutschen Übersetzung heißt es Globales Ölfördermaximum.

Diese Kurve der Ölförderung ist in dem Verlauf bis heute die historische Rückschau der Ölförderung.
Der Begriff Peak Oil wurde jedoch schon 1956 von Marion King Hubbert geprägt, weil er von dem „Peak“ der Ölförderung sprach. Er sagte den „Peak of the oil production of the United States“ im Jahr 1956 für den Zeitraum um 1970 voraus. Die Kurzfassung davon war „Peak Oil„.

Er lag sehr richtig. 1970 förderten die USA so viel Öl wie nie zuvor – und wie niemals wieder danach.

Es dauerte noch bis etwa 1974, bis die letzten Kritiker, die ihn fast zwanzig Jahre lang lächerlich gemacht hatten, endlich verstummten.
Das wirklich blödeste Argument, welches seine Kritiker als „Beweis“ gegen ihn anführten, war dabei genau diese Aussage im Jahr 1970:
„Hey, die USA fördern dieses Jahr mehr Öl als je zuvor. Was redet dieser Mensch da für einen Blödsinn von Peak Oil?“

Aber genau das hatte er ja vorhergesagt – das Maximum der Förderung. Für 1970.
… und zwar nicht aus dem Lesen einer Glaskugel oder aus dem Flug der Schwalben, sondern aus einer Berechnung, die er nachvollziehbar dargelegte. Jeder konnte seine Berechnung prüfen, und die Annahmen und Rechnungen darin kontrollieren. Das wurde auch gemacht, nur wurden seine Annahmen als „Unsinn“ bezeichnet, und so lächerlich gemacht.
Alles, was er tat, war zu warten, dass die Förderkurve ihm recht geben würde.

Sie tat es. Ab 1970 – genau wie prognostizert.

1974 war seine Vorhersage endlich in der Wissenschaft und in der Presse als korrekt akzeptiert worden, denn es gab nur noch wenig, was man dagegen sagen konnte.
Die Förderkurve zeigte ja bereits im vierten Jahr in Folge nach Süden (nach unten). Auch als die großen Ölfelder in Alaska in Produktion gebracht wurden, änderte das tatsächlich nichts mehr daran. Obwohl es die Förderkurve der USA noch einmal ein wenig steigen ließ, wurde die Ölförderung der USA von 1970 seitdem nie wieder erreicht.
Und das, obwohl Hubbert die Ölfelder in Alaska gar nicht auf der Rechnung hatte. Doch er hatte sie nicht etwa vergessen, oder falsch gelegen in seier Abschätzung, wieviel Öl es in den USA gab.
Alaska war im Jahr 1956 einfach noch gar nicht USA. Erst im Jahr 1959 kam Alaska als 49. Staat zu den USA hinzu … dass Hubbert das nicht in seine Rechnung einbezog, sei ihm somit nachgesehen. Oder gerade deswegen ist seine Prognose in noch schärferem Licht als korrekt anzusehen.

Peak Oil war damit in der Welt. Zwar erst einmal nur bewiesen für die USA (die über 100 Jahre der weltgrößte Ölförderer gewesen waren), aber der Gedanke lag nahe, dieselbe Berechnung für die Welt zu machen.

Hubbert machte diese Berechnung, und im Jahr 1974 veröffentlichte er eine weitere Prognose.
Die Prognose für Peak Oil der Welt. Das weltweite Fördermaximum von Öl.

Er nahm dieselben Methoden, er traf die gleichen Annahmen – nun jedoch für die gesamte Welt.
Und wieder gab es eine Zahl:

1995.

Und wieder kamen die Kritiker, und sagten, dass das eine vollkommen unsinnige Rechnung sei. Es gäbe doch noch so viel Öl auf der Welt, das erst noch gefunden werden müsse.
Dabei wusste Hubbert genau das ja besser als viele seiner Kritiker.
Er war Erdölgeologe bei Shell.
Genau das hatte er ja abgeschätzt, nach einer einfachen Rechnung. Genau das war die Basis für seine Prognose.
Er sagte klar, wieviel Öl es auf der Welt noch zu finden gab – seiner Einschätzung nach.
Mit dieser Zahl war die Berechnung des Fördermaximums einfach.
Genau das war die Basis für seine Prognose des Weltfördermaximums, des globalen Peak Oil, und damit dessen, was gemeinhin unter dem Begriff Peak Oil heute verstanden wird.

Jedoch: Diese Prognose trat so nicht exakt ein.
Die Ölförderung stieg noch bis ins Jahr 2005 weiter an – aber etwas verwundert dann doch:

Seit 2006 steigt die Förderkurve nicht mehr, es ist eine Art Plateau zu beobachten.

Doch spannender als die Aussage, dass er hier falsch lag, ist es, zu untersuchen, was genau er falsch in seiner Rechnung machte.

Was war es, was in der Rechnung in die Irre führte? Man kann seine Rechnung ja problemlos nachrechnen. Seine alten Annahmen in die Rechnung eingesetzt führen stets zu dieser Zahl.
Was also war falsch?

Er lag vor allem falsch mit der Annahme des Verbrauchs. Die Steigerung des Verbrauchs von Öl nahm er mit 5% an. Real waren es aber nur etwa 2%. Das ist ein großer Unterschied.
Diese eine Annahme führte dazu, dass er die Menge des insgesamt verbrauchten Öls im Laufe der Jahre viel höher berechnete, als dann tatsächlich eintrat.
Es ist klar, dass das Öl länger reicht, wenn man es weniger schnell verbraucht. Spannend ist die Frage, welche Zahl seine alte Rechnung auswirft, wenn man diese Annahme von ihm durch die korrekte historische Zahl ersetzt.
Denn man muss ja bedenken, dass er diese Zahl nur schätzen konnte – er hat in die Zukunft geblickt. Wir können heute jedoch den genauen tatsächlichen Verlauf des Ölverbrauchs genau beziffern.
Die Rechnung wird da also ganz genau sein. und welche Zahl kommt dann heraus?

2005.

Wohlgemerkt: das ist seine alte Prognose, die nur in der Zahl des geschätzten Verbrauchs durch die Zahl des tatsächlichen Verbrauchs korrigiert wurde. Klar ist weiterhin, dass das Öl endlich ist, und dass die Förderung somit zwangsläufig zu einem Zeitpunkt x absinken muss. Spätestens einen Tag bevor das Öl vollständig verbraucht sein wird, muss die Förderung sinken. Hubbert hat diesen Tag versucht zu berechnen.
Nun liegt 2005 auch schon hinter uns. War das Jahr auch das Jahr mit der höchsten Ölförderung?
Jein … nicht ganz.

Wir hatten 2006 eine höhere Ölförderung. Seitdem allerdings bewegt sich die Menge des geförderten Öls „seitwärts“. Diese idiotische Bezeichnung, die Analysten gern nutzen, meint, dass die Kurve waagerecht verläuft.
Bis heute haben wir also ziemlich genau das Niveau von 2006 gehalten. Weder eine Steigerung noch ein Rückgang ist zu verspüren. Nur eine sehr sehr deutliche Verteuerung. In 2008 schwang das Pendel des Ölpreises bis auf 147 Dollar pro Barrel, wobei es bis 2005 eher bei 20 bis 30 Dollar lag. Noch vor fünf Jahren war ein Ölpreis über 100 Dollar „völlig irrational“, „absoluter Unsinn“ und „nicht denkbar“.
Das letzte Argument ist das schönste. „Nicht denkbar“ … wo es doch nur ein anderer Preis ist für etwas, was wir jeden Tag verbrauchen. Denkbar im Sinne von „ich denk mir das mal aus“ ist das in jedem Fall. Was vermutlich gemeint, ist, ist eher eine Aussage wie: „Das halte ich für nicht plausibel begründbar, und jeder Versuch, das zu begründen, ist von vornherein zum Scheitern verurteilt“.
Wie unsinnig die Aussage nur wenige Jahre später bei Erreichen dieses Preises war, wird schnell klar.

Fazit:
Ob Hubbert auch mit seiner Rechenmethode den Weltpeak korrekt berechenbar machte, können wir „heute“ noch nicht ganz genau sagen.
Doch es gibt ein paar wenige Experten, die diese Rechnung als sehr plausibel bezeichnen. Das ist die Die EnergyWatchGroup.

Wer mehr wissen möchte, dem sei dieser Film ans Herz gelegt:

Quelle: Youtube

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